Freude am Lesen

„Lesen heißt durch fremde Hand träumen.“ (Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe)

So ergeht es denen, die in das Land einer Geschichte abtauchen, welche den Alltag um sich herum vergessen lässt. Lesen kann dazu anregen, abzuschalten und in seiner Fantasie eigene Bilder entstehen zu lassen – und so zu einem besonders entspannenden sowie erfüllenden Bestandteil des Lebens werden.

„Viele Menschen befinden sich heute, wenn sie ein Buch lesen, in keinem natürlichen Zustand, sondern fühlen sich einer Operation unterworfen, in die sie kein Vertrauen haben.“
(Robert Musil, Nachlass zu Lebzeiten)

Diese Aussage jedoch steht dazu in deutlichem Kontrast und trifft dabei leider in der heutigen Zeit der Medienvielfalt viel öfter zu. Es ist bequemer geworden, einen Film zu sehen und in kürzerer Zeit audiovisuell unterhalten zu werden, als mithilfe der eigenen Vorstellungskraft das Kopfkino in Gang zu setzen. Gerade Schüler lesen immer weniger, wobei doch gerade dies auch ihre Rechtschreibung verbessern würde.

Um den Spaß am Lesen wieder zu fördern, wird im Deutschunterricht in den verschiedenen Klassenstufen eine altersgemäße Lektüre gelesen und besprochen. Ebenso ist in den siebten Klassen eine Lesestunde eingeführt worden, in welcher Schüler ihre Lieblingsbücher vorstellen und ausgewählte Werke gemeinsam lesen.

Damit sich die Schüler noch intensiver mit den verschiedenen Inhalten beschäftigen und verstehen, dass in Büchern ebenso gezielt Problematiken vermittelt werden oder der Autor ganz persönliche Beweggründe hatte, das jeweilige Buch zu verfassen, wird in einigen Klassen zusätzlich ein „Lesetagebuch“ angefertigt. Die Bezeichnung „Tagebuch“ ist dabei sehr treffend, da die Jugendlichen die verschiedenen inhaltlichen Stationen Woche für Woche in einem DIN A 4-Heft beschreiben und festhalten.

Ein Beispiel eines Lesetagebuches im Flash-Format zum Durchblättern finden Sie hier.

Wichtig ist hierbei, dass dieses Heft auch ideenreich gestaltet wird. So darf nach Lust und Laune gebastelt, gemalt und geklebt werden. Denn im Vordergrund soll weiterhin stehen, dass Lesen Spaß macht. Ziel ist es, dass Außenstehende auf kreative Weise einen Überblick über den Autor und dessen Leben, die Protagonisten, Handlungsorte und den Inhalt des Buches gewinnen, sowie individuelle Aufgabenstellungen zu dem Thema, mit welchem sich die Lektüre beschäftigt, zu bewältigen.

So ist beispielsweise eine der Hauptpersonen in der Klassenlektüre „Die Vorstadtkrokodile“ von Max von der Grün ein querschnittsgelähmter Junge, so dass die Schüler (in diesem Fall eine 7. Klasse) mit der Aufgabe konfrontiert werden, sich eingehender mit dieser Krankheit zu befassen, wodurch ihnen zugleich die Scheu vor Menschen im Rollstuhl genommen wird.
Eine ganz ähnliche Intention liegt auch der Wahl von Aidan Chambers „Wer stoppt Melanie Prosser?“, ebenfalls Lesestoff der 7. Klasse, zugrunde: Dort tyrannisiert eine Clique ihre Mitschüler, wodurch das immer wieder akute Problem des Mobbings zur Sprache gebracht wird. Sinnvoller Arbeitsschwerpunkt für die Schüler ist daher an dieser Stelle, neben den üblichen Bestandteilen des Lesetagebuchs, den Begriff des Mobbings zu thematisieren, zu hinterfragen, welche Beweggründe (Mit)Schüler zu solchem Handeln bringen und aufzuzeigen, wie diese Problematik im eigenen Schulalltag gehandhabt werden kann.
Weiterhin beschäftigen sich einige der höheren Klassenstufen mit „Die verlorenen Ehre der Katharina Blum“ und erfahren erstaunt, dass Heinrich Böll seine persönlichen Erfahrungen mit der „BILD“-Zeitung in diesem Buch verarbeitet hat. Zudem werden sie mit der Geschichte der RAF konfrontiert, analysieren, wie Boulevardzeitungen sprachlich arbeiten und wie durch „Klatschjournalismus“ durchaus auch Menschenleben zerstört werden können.
Bei der Anfertigung der Lesetagebücher entsteht eine Vielzahl kleiner Kunstwerke, die mit allerlei Kreativität und Ideen gestaltet werden.

Einen kleinen Einblick der verschiedenen behandelten Bücher erhalten Sie an dieser Stelle – wir wünschen viel Spaß beim Ansehen UND beim Lesen!