Mord und Totschlag in Landshut

Mrz 11th, 2018 | By | Category: Weitere Meldungen

Dr. Mario Tamme hält Vortrag über historische Kriminalfälle

Die gute alte Zeit war gar nicht so gut: Es gab Einbruch, Diebstahl, Körperverletzung, ja sogar Mord und Hostienschändung. Die Strafen, die die frühneuzeitliche Rechtsprechung dafür vorsahen, waren nicht selten grausam und brutal. Landshut war da keine Ausnahme. Auch hier wurden bis ins Jahr 1936 Todesurteile nicht nur gefällt sondern sogar vollstreckt.

Tamme 2018_2Am Freitag, den 23.02.2018, referierte Dr. Mario Tamme vor den Abschlussklassen und interessierten Lehrern über das, was vom Spätmittelalter bis zur Moderne in Landshut an Verbrechen, Strafverfahren und Strafvollstreckung üblich war. Dabei wurde schnell klar, dass das vornehmliche Ziel von Strafe in früheren Zeiten die Abschreckung war. Geklappt hat das nicht, weder heute noch damals.

Zunächst veranschaulichte Herr Tamme an historischen Beispielen, was übliches Strafmaß war. Schwerer Diebstahl wurde in der Regel mit Ohrenabschneiden und Landesverweis bestraft – eine Strafe, die nicht nur ehrenrührig war, sondern die Delinquenten erbarmungslos deklassierte und dem sozialen Elend preisgab. Straßenraub zog das Erhängen nach sich. Damit wurde auch die Familie des Verurteilten aus der sozialen Gemeinschaft ausgestoßen. Aus diesem Grund kann man verstehen, warum im Fall eines gewissen Josef Refinger in den historischen Akten von der „Begnadigung zum Schwert“ steht: Die Todesstrafe durch das Abschlagen des Kopfes mit dem Landshuter Richtschwert war weit weniger ehrenrührig als der Galgen.

Im Fundus der Landshuter Museen befindet sich ein solches Schwert mit breiter Klinge und stumpfer Spitze. Auch ein Henkerrad ist dort zu finden. Mit diesem wurde eine der grausamsten Strafen überhaupt vollzogen: das Rädern. Dies bedeutete eine kraftraubende Arbeit für den Henker und einen langsamen, qualvollen Tod für den Mörder. Zur Abschreckung wurde der Leichnam mitsamt Rad gerne an den Grenzen des Jurisdiktionsbezirks aufgerichtet. Mit solch drastischen Mitteln versuchte man in Landshut wie andernorts Recht und Gesetz Geltung zu verschaffen.

Todesstrafen waren in Landshut keine Seltenheit. Von 1588 bis 1598 wurden 13 Todesurteile vollstreckt, und das bei einer weit geringeren Tamme 2018_1Bevölkerungsdichte als heute. Im Spätmittelalter war es sogar zur Verbrennung eines Hostienschänders auf dem Scheiterhaufen gekommen.

Auch in der modernen Zeit gab es Verbrechen in der Bezirkshauptstadt und wurden solche in Landshut gerichtet. 1922 erschoss ein Polizeibataillon im Hof des alten Gefängnisses Florian Huber. Dieser hatte im Einödhof Straßhäusl bei Volkenschwand ein Ehepaar getötet und das Gehöft abgebrannt. Letzten Endes hatte sich der Verbrecher selbst durch Geschwätzigkeit verdächtig gemacht und dann schließlich die Tat gestanden. Ein ähnliches Schicksal ereilte im selben Jahr den Mörder Eitele. Seine doppelte Bluttat an zwei Frauen aus der Neustadt ist im Roman „Täuscher“ von Andrea Schenkel verarbeitet. Die Kriminalgeschichte Landshuts führt auch zum letzten bayerischen Henker Reichart, der in Landshut das letzte Todesurteil mit einem zusammenbaubarem Fallbeil vollstreckte. Seine Geschichte führt in die Nazi-Zeit, wo Todesurteile häufig wurden. Doch das ist eine andere Geschichte. Klar wurde allen Zuhörern, dass es in alten Zeiten kein heimeliges und gemütliches Landshut gab, sondern auch bei uns Gewalt durch Verbrecher und durch den Staat erlebt und erlitten wurde.