Judikative live

Feb 23rd, 2018 | By | Category: Weitere Meldungen

Die BIK-Klasse verfolgt einen spannenden Prozess im Amtsgericht.

BIK GerichtFür den 29.1. war im Amtsgericht Landshut ein öffentlicher Strafprozess angesetzt. Zur Anklage kam ein Fall von schwerem Diebstahl. Die sieben Schüler der BIK-Klasse verfolgten diesen im Rahmen des Sozialkundeunterrichts von der Zuschauerbank aus.

Die Kontrollen am Eingang waren ungewöhnlich lax. Der Wachmann hatte erkannt, dass es sich bei uns um harmlose Schüler handelte und ließ uns ohne weitere Taschen- oder Ausweis-Kontrolle passieren. Eine Zeitlang hat es gedauert, bis wir den richtigen Verhandlungssaal gefunden hatten. Trotzdem waren wir noch rechtzeitig und nahmen in der hinteren Reihe Platz. Rechts saß der Staatsanwalt in eleganter Robe und mit weißer Krawatte – wie es am Gericht üblich ist. Links von uns fand der Rechtsbeistand seinen Platz. Justizbeamte führten den Angeklagten in Handschellen herein. Eine Übersetzerin dolmetschte dem mehrfach vorbestraften Polen.

Schließlich erhoben sich alle: Der Richter betrat mit zwei Schöffen den Saal. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, auf ein Firmengelände eingedrungen zu sein und zusammen mit Unbekannten einen Kleintransporter mit teurem Spezialwerkzeug geraubt zu haben. Kaum hatte der Staatsanwalt seine Anklage verlesen, wurde die Sitzung auch schon unterbrochen. Anwalt, die Richter und der Staatsanwalt zogen sich in das Hinterzimmer zum Rechtsgespräch zurück. Später wurde klar, welcher Deal vereinbart worden war: Gegen das vollumfängliche Geständnis wurde das Strafmaß auf eine Spanne von zwei Jahren und drei Monaten bis zwei Jahre und sechs Monaten umrissen. Der Angeklagte besprach sich noch einmal mit seinem Anwalt und ging auf das Angebot ein. Es folgten die Plädoyers der beiden Seiten. Der Staatsanwalt beantragte, das ins Auge gefasste Strafmaß voll auszuschöpfen. Der Verteidiger machte mildernde Umstände geltend: Ein Kind sei dem Angeklagten gestorben. Er habe Schulden und wollte seinen drei anderen Kindern helfen. Außerdem wäre ohne das Geständnis des Angeklagten eine Beweisführung sehr schwierig gewesen, da es ohne das Geständnis nur ein einziges Indiz gebe, auf das sich die Anklage stützen könne: eine DNA-Spur. Das sahen der Berufsrichter und die beiden Laienrichter genauso. Das Urteil wurde verkündet: zwei Jahre und drei Monate ohne Bewährung – ein Urteil, das uns allen ausgewogen schien.

Dieser Prozess war eine spannende Lehrstunde in Sachen Gerechtigkeit, nicht nur für die Schüler, sondern auch für den Lehrer.

Achim Reinhart